Dienstag, 15. April 2014

Unbezahlte Überstunden

Home Office, Diensthandys, All-In-Verträge... Darf ein Arbeitgeber Überstunden anordnen? Sind unbezahlte Überstunden erlaubt? Inwieweit muss ein Beschäftigter Überstunden leisten?


Die Grenze zwischen bezahlte und unbezahlte Arbeitsstunden verschwimmt immer mehr, es hängt vor allem mit zahlreichen neuen und „flexiblen“ Arbeitsformen zusammen. Viele „bringen“ die Arbeit nach Hause mit, arbeiten im Home Office bis spät in der Nacht, und die Diensthandys lassen einen ständig erreichbar sein. Laut mehrerer Studien leisten vor allem Arbeitnehmer mit höherer Bildung und Führungskräften deutlich mehr Überstunden. Männer machen auch häufiger Mehrstunden als Frauen.

Was bedeutet Mehrarbeit?

Bei Berufseinsteigern sind heutzutage All-in-Verträge die Norm, die auch für die Ableistung von einigen Überstunden sorgen. In Unternehmen werden auch oft freiwerdende Stellen nicht mehr neu besetzt, und trotzdem bleibt die Arbeit groß. Sie wird einfach auf weniger Schultern verteilt. Für Unternehmen bedeutet also unbezahlte Mehrarbeit niedrigere Personalkosten. Für die Mitarbeiter und Berufseinsteiger könnten unbezahlte Überstunden Investitionscharakter in die eigene Zukunft haben. Sie haben die Hoffnung, künftig mehr zu verdienen. Und die Mitarbeiter schweigen auch oft aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz.

Negative Auswirkungen

Unbezahlte Überstunden sind also ein Ausdruck von neuen ergebnisorientierten Arbeitsformen. Sie haben aber auch negative Auswirkungen auf die Gesellschaft. Lange Arbeitszeiten beeinträchtigen die Gesundheit, und hindern Personen mit familiären Verpflichtungen, in Managementpositionen vorzudringen. Sie bringen auch wirtschaftliche Nachteile wie etwa den Entfall von Sozialversicherungsbeiträgen mit sich. Die Arbeitgeber sollten deshalb darauf achten, die Mehrstunden zu honorieren.

Wie werden Überstunden ausgeglichen?

Im Normalfall werden Überstunden leider nur mit extra Freizeit honoriert. Falls sie überhaupt ausgeglichen werden. Nämlich, nicht jede Überstunde muss bezahlt werden, sondern nur vom Arbeitgeber angeordnete Mehrarbeit. Wenn aber der Arbeitgeber hinnimmt, dass im Unternehmen ständig Überstunden gemacht werden, dann muss er auch zahlen. Aber wenn gezahlt wird, dann meistens nur mit dem Stundensatz, der auch für normale Arbeitsstunden gilt. Ausnahmen gibt es dann, wenn im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag Zuschläge vereinbart sind. Überstunden sind also nur dann zu leisten, wenn dies im Arbeitsvertrag geregelt wurde oder ein Notfall vorliegt.

Gibt's Lösungen?

Wenn Sie sich unsicher oder ungerecht behandelt fühlen, lesen Sie hier unsere Handlungsempfehlungen  durch:
- Lassen Sie durch einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht Ihr Arbeitsvertrag überprüfen. Der Anwalt kann bestimmen, ob die Regelungen Ihres Arbeitsvertrags zur Arbeitszeit und zur Leistung und Bezahlung von Überstunden der aktuellen Rechtsprechung entsprechen.

- Wenn Sie in der Vergangenheit unbezahlte Überstunden geleistet haben, lassen Sie auch prüfen, ob eine Nachforderung von Entgelt für geleistete Überstunden gegenüber Ihrem Arbeitgeber möglich ist.

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