Montag, 27. Juli 2015

Der Chef als Facebook-Freund

Was ist zu tun, wenn Sie auf Facebook eine Freundschaftsanfrage von Ihrem Vorgesetzten erhalten? Diese Frage bewegt mehr und mehr Arbeitnehmer. Sie ist aber nicht so leicht zu beantworten, denn unabhängig davon, ob Sie die Anfrage annehmen oder ablehnen, könnte es unangenehme berufliche Konsequenzen nach sich ziehen.


Als Arbeitnehmer sind Sie gut geraten, gründlich zu überlegen, ob Sie Ihre Mitarbeiter oder Vorgesetzten auf Facebook als Freunde adden möchten. Social Media wirken nämlich auf das Berufsleben zurück, und obwohl es stimmen mag, dass die Grenze zwischen Privatem und Geschäftlichem immer mehr verschwimmt, kann es dennoch Inhalte geben, die Sie lieber doch nicht mit Ihrem Chef teilen möchten. Die Entscheidung liegt aber in diesem Fall noch zumindest bei Ihnen. Die Situation ist jedoch anders gelagert, sobald Sie eine Freundschaftsanfrage von Ihrem Arbeitgeber erhalten. Dann gilt es zu reagieren. Die Frage ist nur: wie?

Arbeitnehmer stecken in der Zwickmühle, wenn es darum geht zu beschließen, ob sie den Chef in ihre Freundesliste aufnehmen. Viele von ihnen empfinden eine solche Anfrage zwar als Belästigung oder als Eingriff in ihre Privatsphäre, abzulehnen trauen sich aber nur die wenigsten, da sie befürchten, dass dieser Schritt ihnen den Job kosten könnte. Aber auch wenn es nicht zum Schlimmsten kommt wird die Zurückweisung vom Chef sicherlich nicht gut aufgenommen, wie höflich sie auch immer formuliert wird. Die Begründung, den Facebook Account nur für private Zwecke zu gebrauchen, mag unter Umständen auch nicht einer negativen Reaktion vorbeugen.

Falls Sie als Arbeitnehmer aber die Freundschaftsanfrage Ihres Chefs annehmen, haben Sie dringendst Vorsorge zu treffen – ansonsten wird er Ihre Partyfotos zu sehen bekommen und Ihren Austausch mit Freunden über Inhalte und Probleme mitlesen können. Kurz gesagt kriegt Ihr Vorgesetzter als Facebook-Freund viel über Ihr Privatleben mit, und wenn Sie sich beispielsweise krank melden, Ihr Posting aber einen anderen Grund für Ihr Nichterscheinen am Arbeitsplatz erkennen lässt, könnte ihr Verhalten sogar eine Kündigung nach sich ziehen. Posten Sie also nur Inhalte, bei denen es Ihnen nichts ausmacht, wenn andere im Büro darüber erfahren, oder beschränken Sie zumindest den Empfängerkreis. Es ist ebenfalls ratsam, die Privacy-Einstellungen entsprechend anzupassen.


Nach all diesen Überlegungen stellt sich die Frage: Bringt es denn überhaupt keine Vorteile, wenn man Vorgesetzten oder Mitarbeiter als Freund auf Facebook hat? Doch. Ihr Facebook Account kann zur professionellen Vernetzung, zum beruflichen Austausch und zum Selbstmarketing herangezogen werden. Projekte lassen sich auf diese Weise organisieren und es ist auch möglich, virtuelle Ad-hoc-Meetings abzuhalten. Sind all Ihre Kollegen mit dem Chef auf Facebook befreundet? Dann sollten Sie dessen Anfrage vielleicht schon deshalb annehmen. Bedenken Sie aber bei Ihrer Entscheidung, dass Ihr Facebook Account dann fortan nicht mehr – ausschließlich – ihrer Unterhaltung dienen wird, sondern geschäftlichen Zwecken.

1 Kommentar:

  1. Bloß nicht!
    M.E. verwendet Ihr den Begriff Freund viel zu inflationär. Denn nicht jeder Kreti + Pleti, mit dem ich mal ein Bier (oder was auch immer sonst) getrunken habe, oder mit dem ich im selben Social Network bin, ist mein Freund. Der ist allenfalls ein Bekannter oder Kontakt. Außerdem posten die meisten Facbook-User viel zu viel Müll auf Ihrer Seite. Lasst den Scheiß. Die paar Leute, die es angeht, könnt Ihr persönlich informieren, und die anderen geht es nix an. Punkt und Schluss. Zum Chef gilt es, professionelle Distanz zu halten. Man kann sich schon mal nach seinem Befinden erkundigen und fragen, ob man behilflich sein kann, aber das war's dann auch schon mit persönlicher Zuwendung. Ansonsten macht man seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen und kassiert dafür sein Gehalt - reine Geschäftsbeziehung.

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